INTERVIEW

CHRIS STARK

SAISONABSCHLUSSINTERVIEW MIT CHRIS STARK

lscaktuell: Chris, die Saison ist jetzt einige Tage hinter euch und am Ende gab es einen tollen emotionalen Abschied. Wir starten mit einem Blick auf die abgelaufene Saison, was ist da hängen geblieben?

Chris: Am Ende steht mit Blick auf die Saison ein total positiver Gesamteindruck, dazu hat insbesondere die grandiose Schlussphase beigetragen. Wir schlossen die Saison mit 42:18 Punkten ab, zuletzt holten wir 19:1 Punkte und feierten Highlights wie den Heimsieg gegen den späteren Aufsteiger Dormagen. Die ganz große Konstanz hatte uns bis Karneval jedoch gefehlt, daher ist der 5. Tabellenplatz dabei herausgesprungen und für unseren Verein ein großer Erfolg.

lscaktuell: Du hast die mitunter fehlende Konstanz angesprochen, wie kam es deiner Meinung nach dazu?

Chris: Da muss ich länger ausholen: erstens spielten wir in der Vorsaison teilweise über unserem Limit, knabberten ja sogar an der zweiten Liga. Dieses hohe Niveau war aber auch mental enorm schwer zu halten. Dann hatten wir schwerwiegende Abgänge im Sommer, die auf und neben dem Platz fehlten. Schließlich zog sich unsere Verletztenmisere durch die gesamte Saison. Aber in manchen Spielen fehlte dann einfach auch das Spielglück und so ließen wir 6 Pünktchen mehr liegen als in der Vorsaison. Aber der 5. Platz in einer so wirtschaftstarken Liga stellt uns dennoch superzufrieden, wir wollten uns im dritten Jahr in den Top 6 etablieren, das haben wir geschafft, lagen hauchdünn hinter den ziemlich konstanten Leichlingern und Krefeldern. Was am Ende der Saison am ehesten zum Vorschein kam war die enorme Gier nach Siegen, Zusammenhalt und Enthusiasmus auf dem Feld.

lscaktuell: Was sind deiner Meinung nach die erfreulichsten Entwicklungen der abgelaufenen Saison?

Chris: Einzelne Spieler und die Mannschaft als Paket haben sich weiterentwickelt, sowohl spielerisch als auch in puncto Führungsqualität. Das alles ist ein Prozess und wird so weitergehen. Spielerisch haben wir unser Tempo immer weiter steigern können, waren im Umschaltspiel vor allem in der Rückrunde enorm stark, das hat mir gefallen. Wie auch in den Jahren zuvor haben sich meine Jungs extrem reingehauen, sehr oft angeschlagen zur Verfügung gestellt, mein Respekt dafür. Als einzelne Spieler ausfielen haben andere, die vielleicht manchmal im Schatten stehen oder von denen es viele vielleicht nicht so erwartet hätten, aufgetrumpft und gezeigt, dass wir auch in der Breite eine gute Mannschaft haben.

lscaktuell: Nun hast du dich entschlossen, das Traineramt aufzugeben. Wann ist der Entschluss eigentlich gefallen? Und hast du es vielleicht bereut?

Chris: Zum ersten Mal darüber nachgedacht habe ich nach der vorvergangenen Saison, als wir Dritter geworden waren und meiner Meinung nach alles aus uns herausgeholt hatten. Aber der Ehrgeiz hatte mich dann schnell wieder gepackt. Zu Beginn der Saison merkte ich allerdings, dass ich nicht mehr im Stande bin, auf Dauer so viel Zeit wie notwendig aufzuwenden und es Spuren hinterlässt, wenn man es mit so viel Emotionalität wie ich mache. Als ich mich dann vor und während der Saison über einige Dinge ärgerte und ich darüber hinaus merkte, dass möglicherweise eine Stagnation eintritt, habe ich im Oktober beschlossen, den Trainerposten aufzugeben und als Trainer eine Pause einzulegen. Bereut habe ich es noch keine Sekunde, im Gegenteil. Etwas Wehmut kam auf, als auf der Rückfahrt aus Menden von einigen Ex-Spielern ein herrliches Fotoalbum mit alten Schätzen geschenkt wurde, außerdem natürlich beim Abschlussvideo nach dem letzten Spiel, das Jenner und Tiffy so sensationell arrangiert hatten. Einige Spieler haben mir persönlich oder auch via Nachrichten nach Abschluss der Saison ihre Freude  und Dankbarkeit über die gemeinsame Zeit geäußert, das hat mich sehr gefreut.

lscaktuell: Etliche Jahre hast du die Erste des LSC als Trainer betreut, wie geht es nun weiter?

Chris: Ich übe ab Sommer den neugeschaffenen Posten Manager Sport beim LSC aus, mein Wirken wird sich mit Strukturen befassen, bezieht sich zum Beispiel auf Kaderbesetzung im Leistungsbereich beim LSC, das heißt Erste, Zweite und A-Jugend. Darüber hinaus ist die Tätigkeit eng verzahnt mit Marketingdirektor Jens Warncke und vielen Aufgaben rund um die Teams. Ich unterstütze außerdem im Hintergrund den Jugendbereich. Des weiteren werde ich die Zeit nutzen, um mich im Bereich Training weiterzubilden, um irgendwann auch wieder Trainer zu sein, wann und wo, werden wir sehen.

lscaktuell: Rückblickend auf all die Jahre, was blieb besonders in Erinnerung?

Chris: Das wichtigste war mir neben dem sportlichen Erfolg immer die Kameradschaft und ich habe im Zuge dessen unzählige tolle Augenblicke erlebt. Es haben sich durch den Sport dicke Freundschaften entwickelt, dafür bin ich sehr dankbar. Ich war all die Jahre sicherlich eher der spielernahe Trainer und kein Diktator, ich fühlte mich immer als Teil des Teams und habe meinen Job immer so gut ich konnte erledigt. Ich startete das Ganze ja recht jung und unerfahren und habe all die Jahre die volle Unterstützung meiner Spieler gespürt, auch dafür bin ich dankbar. Sportlich hätte es in meinen Augen kaum besser laufen können, es ging stetig bergauf und die Spieler haben sich zu super Drittligaspielern entwickelt, scheinbar lief da inhaltlich auch einiges richtig und ich bin stolz darauf, was wir als Gruppe erreicht haben. Dass da lange Zeit und bis zuletzt Jungs dabei waren, die ich schon in der Jugend trainierte, macht die Sache umso spezieller. Alles in allem war es eine superjeile Zick, an die ich immer gerne zurückdenken werde. Wir haben hier beim LSC in den letzten Jahren einige geile Handballfeste erlebt, das wurde mir jetzt in der Rückschau so richtig bewusst. Da möchte ich die Gelegenheit auch gerne nutzen, um Danke zu sagen, den Leuten, die das Projekt LSC Liga 3 möglich machen. Danke auch an unsere vielen Fans, viele davon kenne ich aus Longerich, Schule oder anderen LSC-Teams, das hat immer große Freude gemacht euch auf der Tribüne unterstützend zu haben.

lscaktuell: Was wird dir fehlen?

Chris: In jedem Falle das Adrenalin vor den Spielen, es staut sich doch eine ganze Menge auf während der Woche, in der man das Spiel vorbereitet, einige Videos schaut, die Trainingseinheiten anpasst, Ansprachen vorbereitet und es dann alles auf den Anpfiff zusteuert. In aller Ruhe nach dem Training ein Feierabendbierchen, dabei ein wenig Dummschwätz – das macht eine Mannschaft aus und unsere ganz besonders, das wird mir auch bestimmt fehlen.

lscaktuell: Besten Dank, viel Spaß bei der neuen Aufgabe, da werden wir im Sommer bestimmt mal wieder was von dir hören.

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